KI in der Unterrichtsvorbereitung spart dir vor allem die Zeit, die bisher in Rohfassungen steckte: Stundenentwürfe, Arbeitsblätter, Quizfragen und Feedbackbögen entstehen in Minuten statt Stunden. Deine Arbeit bleibt trotzdem: Lernziele setzen, Material prüfen, an die Gruppe anpassen. Dieser Leitfaden zeigt dir einen Workflow in fünf Schritten, kostenlose Tools, zwölf Prompts und die Datenschutzregeln, die du kennen musst.
Ich unterrichte IT-Sicherheit und Datenschutz für Erwachsene mit sehr unterschiedlichem Vorwissen. In meinen Kursen sehe ich oft, dass die Vorbereitung an denselben Stellen hängt: Beispiele finden, Aufgaben in mehreren Niveaus formulieren, Lösungen ausschreiben. Genau dort nimmt mir ein KI-Assistent die Fleißarbeit ab. Die Entscheidungen nicht, und das ist gut so.
Was KI in der Vorbereitung leistet und was bei dir bleibt
Ein Sprachmodell (die Technik hinter ChatGPT, Claude oder Gemini) kennt die typischen Muster von Stundenentwürfen, Aufgabenformaten und Bewertungsrastern, weil es Millionen solcher Texte gesehen hat. Was es nicht kennt: deine Gruppe, deinen Lehrplan im Detail und den Unterschied zwischen plausibel und richtig.
Gut geeignet ist KI für diese Aufgaben:
- Rohfassungen von Stundenentwürfen und Ablaufplänen
- Aufgaben in mehreren Schwierigkeitsgraden zum selben Inhalt
- Quizfragen mit Lösungen und Begründungen
- Fallbeispiele, Rollenspiele und Übungsszenarien
- Texte vereinfachen, kürzen oder für eine andere Zielgruppe umschreiben
- Feedbackbögen, Musterlösungen und Bewertungsraster
Bei dir bleiben: Lernziel, Auswahl, fachliche Prüfung jeder Zahl, didaktische Reihenfolge. Wer KI-Material ungeprüft kopiert, unterrichtet das, was dem Modell am wahrscheinlichsten erschien. Das ist selten das, was gerade im Raum nötig ist.
Der Workflow in fünf Schritten
Der häufigste Fehler ist der erste Prompt: „Erstelle eine Unterrichtsstunde zu Thema X.“ Das Ergebnis ist generisch, und du bastelst länger daran herum als nötig. Besser läuft es in dieser Reihenfolge:
- Lernziel formulieren, bevor du die KI öffnest. Ein Satz: Was können die Lernenden am Ende, was sie vorher nicht konnten? Dieser Satz steht in jedem Prompt.
- Grobplanung von der KI vorschlagen lassen: Phasen, Zeiten, Sozialformen. Du streichst, verschiebst und ergänzt, bis die Struktur zu deiner Gruppe passt.
- Material pro Phase erzeugen: Einstiegsimpuls, Arbeitsblatt, Fallbeispiel. Jeweils ein eigener Prompt mit Zielgruppe, Umfang und Format.
- Differenzierung anfordern: dasselbe Material in einfacher Sprache, mit Hilfestellungen oder als Herausforderung für Schnelle.
- Überprüfung erstellen: Quiz, Lernzielkontrolle oder Reflexionsfragen, passend zum Lernziel aus Schritt eins.
Jeder Schritt ist ein eigener Prompt, kein Riesenauftrag. So kannst du einzelne Teile neu anfordern, ohne alles zu verwerfen. Wie du Prompts aufbaust, die verlässlich liefern, erkläre ich in der Anleitung zum Prompts schreiben.
Welche KI-Tools Lehrende kostenlos nutzen können
Für die Vorbereitung reicht meist die kostenlose Version eines großen Assistenten. Alle vier bieten Stand November 2026 einen Gratis-Zugang mit Grenzen bei Menge oder Zusatzfunktionen.
| Tool | Kostenlos nutzbar | Stärke in der Vorbereitung | Grenze |
|---|---|---|---|
| ChatGPT (OpenAI) | Textchat ohne feste Obergrenze, Datei-Upload und Bilderzeugung mit Limits | Vielseitig, große Prompt-Sammlungen im Netz | Nach viel Nutzung schaltet die Gratis-Version auf ein kleineres Modell |
| Claude (Anthropic) | Ja, mit Tageslimit | Lange Texte strukturieren, differenzierte Sprache | Limit ist bei langen Dokumenten schnell erreicht |
| Gemini (Google) | Ja, mit Limits | In Google-Konto und Google Docs eingebunden | Erweiterte Funktionen nur im Abo |
| Copilot (Microsoft) | Basisversion kostenlos | Für Word- und PowerPoint-Nutzer naheliegend | Volle Office-Integration erst mit Microsoft-365-Abo |
Die genauen Grenzen ändern die Anbieter laufend. OpenAI beschreibt den Stand für die Gratis-Version in einer eigenen FAQ zum Free-Tarif. Dazu kommen Bildungsplattformen wie fobizz, die in einigen Bundesländern über Landeslizenzen für Lehrkräfte freigeschaltet sind, und landeseigene Chatbots wie telli, den Niedersachsen 2026 landesweit eingeführt hat. Eine Übersicht weiterer Werkzeuge ohne Abo findest du im Beitrag zu kostenlosen KI-Tools.
Zwölf Prompts für Lehrkräfte, Dozenten und Trainer
Alle Prompts folgen demselben Muster: Rolle, Zielgruppe, Lernziel, Format, Umfang. Ersetze die Fachinhalte durch deine eigenen. Die Beispiele stammen aus meinem Fachgebiet, weil ich dort das Ergebnis beurteilen kann.
Stundenentwurf
Du bist erfahrener Berufsschullehrer für Wirtschaft. Erstelle einen Stundenentwurf für 90 Minuten zum Thema Zinsrechnung für eine Klasse im ersten Ausbildungsjahr. Lernziel: Die Schüler berechnen Zinsen für Teiljahre selbstständig. Gliedere in Einstieg, Erarbeitung, Sicherung und Transfer mit Zeitangaben. Nenne pro Phase Sozialform und Material.
Hier ist mein Stundenentwurf: [Text einfügen]. Prüfe ihn kritisch: Wo ist die Zeit zu knapp? Welche Phase hat kein klares Ergebnis? Welche Frage könnten die Schüler stellen, auf die ich nicht vorbereitet bin? Antworte als Stichpunktliste.
Arbeitsblatt in drei Niveaus
Erstelle ein Arbeitsblatt zum Thema Passwortsicherheit für Teilnehmer ohne IT-Vorkenntnisse. Drei Aufgaben auf Niveau Grundlagen, drei auf Niveau Fortgeschritten, zwei als Herausforderung. Jede Aufgabe mit Platz für die Antwort und einer Lösungsskizze am Ende. Umfang: eine DIN-A4-Seite.
Hier ist ein Text für den Unterricht: [Text einfügen]. Schreibe ihn in einfacher Sprache um, mit kurzen Sätzen und ohne unerklärte Fremdwörter, und erhalte alle Fachinhalte. Markiere danach fünf Begriffe, die ich mit der Gruppe vorab klären sollte.
Quiz und Klausurfragen
Erstelle zehn Multiple-Choice-Fragen zum Thema Phishing für Erwachsene in der Weiterbildung. Je vier Antwortoptionen, genau eine richtig. Die falschen Antworten sollen typische Missverständnisse abbilden und dürfen nicht offensichtlich falsch sein. Gib am Ende die Lösungen mit je einem Satz Begründung an.
Formuliere fünf offene Fragen zum Thema Datensicherung, die Verständnis statt Auswendiglernen prüfen. Ordne jede Frage einer Anforderungsstufe zu: Wiedergeben, Anwenden, Beurteilen. Ergänze Erwartungshorizonte in Stichpunkten.
Erstelle eine Lernzielkontrolle für 20 Minuten zum Thema Netzwerkgrundlagen mit 30 Punkten. Mische Zuordnungsaufgaben, Lückentext und zwei Transferfragen. Lege eine Punkteverteilung und einen Bewertungsschlüssel bei.
Fallbeispiel und Übung
Schreibe ein realistisches Fallbeispiel mit höchstens 250 Wörtern für eine Übung zum Thema Datenschutz am Arbeitsplatz. Eine kleine Firma, drei Beteiligte mit erfundenen Namen, ein Fehler, der zu einer Datenpanne führt. Danach vier Arbeitsaufträge für Kleingruppen.
Entwickle ein Rollenspiel für 15 Minuten, in dem Lernende ein Kundengespräch zu einer Reklamation üben. Zwei Rollenkarten mit Zielen und Informationen, die nur die jeweilige Rolle kennt, plus einen Beobachtungsbogen für die dritte Person.
Feedback und Bewertung
Erstelle einen Feedbackbogen für Teilnehmer zum Abschluss eines zweitägigen Seminars. Acht Fragen, davon fünf mit Skala von 1 bis 5 und drei offene. Die Fragen sollen Inhalt, Tempo, Praxisnähe und Lernerfolg getrennt erfassen.
Hier ist ein anonymisierter Lernertext zur Aufgabe [Aufgabe einfügen]: [Text einfügen]. Gib wertschätzendes, konkretes Feedback in drei Teilen: Was gelingt, was fehlt noch, ein nächster Schritt. Höchstens 120 Wörter, du-Form, keine Note.
Formuliere Musterlösung und Bewertungsraster für diese Aufgabe: [Aufgabe einfügen]. Das Raster hat vier Kriterien mit je drei Stufen und einer kurzen Beschreibung pro Stufe.
Arbeitsblätter, Klausuren und Übungen mit Qualitätscheck
KI-Material sieht fertig aus. Das ist seine größte Gefahr. Eine falsche Formel im dritten Aufgabenteil fällt dir erst auf, wenn ein Lernender fragt. Deshalb läuft jedes Blatt bei mir durch denselben kurzen Check.
Bei Prüfungen gilt zusätzlich: Die KI darf Vorschläge machen, verantworten musst du. Lass dir lieber 20 Fragen erzeugen und wähle die acht besten aus. Warum Sprachmodelle falsche Angaben erzeugen und wie du sie erkennst, liest du im Beitrag zu KI-Halluzinationen.
Erwachsenenbildung und IT-Training: Was anders ist
In der Weiterbildung sitzen Menschen mit zwanzig Jahren Berufserfahrung neben Quereinsteigern. Für KI-gestützte Differenzierung ist das der ideale Fall. Ich lasse mir dieselbe Übung in zwei Varianten erzeugen: eine mit Schritt-für-Schritt-Anleitung, eine mit offener Aufgabenstellung und Zusatzfrage. Beide Gruppen arbeiten am gleichen Inhalt, keine langweilt sich, keine ist überfordert.
Praxisnähe ist der zweite Punkt. Erwachsene wollen wissen, wo sie das Gelernte morgen anwenden. Fallbeispiele aus dem Arbeitsalltag der Gruppe lasse ich mir skizzieren und passe Branche und Situation an. Der dritte Punkt ist die Lernplattform: Quizfragen im richtigen Format erzeugen zu lassen (etwa als Tabelle mit Frage, Optionen, Lösung) spart beim Import erheblich Zeit. Wie ich ChatGPT konkret in der Vorbereitung meiner IT-Kurse einsetze, beschreibe ich im Praxisbericht ChatGPT in der Unterrichtsvorbereitung für IT-Trainer.
Noch ein Hinweis zur Ausstattung: Wenn du Arbeitsblätter im Raum live kommentierst, ist eine Dokumentenkamera* praktischer als jede Folie. Für Präsentationen vom Laptop hilft eine Präsentations-Fernbedienung*, damit du nicht am Pult klebst. Beides kein Muss, beides habe ich lange unterschätzt.
Datenschutz in Schule und Weiterbildung: Was nie in die KI darf
Das ist mein Kernthema, deshalb werde ich hier deutlich. Die kostenlosen Versionen der großen Assistenten laufen auf Servern der Anbieter, teils außerhalb der EU. Bei Privatkonten dürfen Eingaben je nach Einstellung zum Training der Modelle genutzt werden. Du als Lehrkraft oder Dozent hast keine Befugnis, Daten anderer Menschen dorthin zu geben. Nicht die der Schüler, nicht die der Teilnehmer, nicht die der Kollegen.
Die Vorgaben für Schulen machen die Länder. Mehrere Kultusministerien haben Handreichungen zum KI-Einsatz veröffentlicht, Hessen zum Beispiel eine, die laufend aktualisiert wird. Welche Tools an deiner Schule erlaubt sind, entscheidet aber weder der Hersteller noch ein Blogartikel, sondern deine Schulleitung auf Basis dieser Vorgaben. Frag deine schulische Datenschutzbeauftragte, bevor du ein neues Werkzeug einsetzt. Das ist keine Formalie: Landen Schülerdaten in einem nicht freigegebenen Tool, trägt die Schule die Verantwortung.
In der Weiterbildung ist die Lage ähnlich, nur weniger geregelt. Für Teilnehmerdaten ist der Bildungsträger verantwortlich. Bei Firmenschulungen kommen Interna des Kunden dazu, die oft unter Vertraulichkeitsvereinbarungen stehen. Meine Regel: Alles, was in die KI geht, könnte theoretisch morgen jemand anderes lesen. Wenn dieser Gedanke unangenehm ist, bleibt der Inhalt draußen.
Fast jede Vorbereitungsaufgabe funktioniert ohne echte Daten. Statt „Feedback für Lisa Müller, Note 4, Fehler bei …“ schreibst du „Feedback für einen Lernenden, der die Fehlertypen X und Y zeigt“. Statt der echten Klassenliste erfindest du drei Beispielnamen. Die vollständigen Regeln, welche Daten du grundsätzlich nicht eingeben solltest, stehen im Beitrag Was du nie in ChatGPT eingeben solltest.
Urheberrecht und Kennzeichnung kurz erklärt
Zwei Fragen kommen in jeder Fortbildung. Erstens: Darf ich Schulbuchseiten hochladen und umarbeiten lassen? Vorsicht. Verlagsmaterial ist urheberrechtlich geschützt, und das Hochladen in ein KI-Tool kann über die üblichen Unterrichtsschranken hinausgehen. Eigene Texte und Aufgaben darfst du dagegen uneingeschränkt verwenden.
Zweitens: Wem gehört das Arbeitsblatt, das die KI erzeugt hat? Das deutsche Urheberrecht schützt persönliche geistige Schöpfungen von Menschen. Eine reine KI-Ausgabe erfüllt das nach überwiegender Auffassung nicht. Du darfst sie nutzen, kannst aber auch niemandem verbieten, dasselbe zu tun.
Zur Kennzeichnung: Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten der EU-KI-Verordnung. Sie betreffen vor allem Texte, die die Öffentlichkeit über Angelegenheiten von öffentlichem Interesse informieren und nicht von einem Menschen redaktionell geprüft wurden, dazu Deepfakes und Chatbots. Ein Arbeitsblatt für deinen Kurs fällt nicht darunter. Ich sage meinen Teilnehmern trotzdem, wenn Material mit KI entstanden ist. Es kostet nichts und macht glaubwürdig, wenn ich im selben Kurs verlange, dass sie ihre KI-Nutzung offenlegen.
Häufige Fragen
Welche KI ist die beste für die Unterrichtsvorbereitung?
Für Texte, Aufgaben und Quizfragen liefern ChatGPT, Claude und Gemini in der Gratis-Version vergleichbar gute Ergebnisse. Entscheidender als das Tool ist dein Prompt mit Lernziel, Zielgruppe und Format. Wenn deine Schule eine Landeslösung wie fobizz oder telli freigegeben hat, nimm diese, weil der Datenschutz dort geklärt ist.
Welche KI-Tools für Lehrer sind kostenlos?
Stand November 2026 bieten ChatGPT, Claude, Gemini und Copilot jeweils eine kostenlose Version mit Nutzungsgrenzen. Dazu kommen Bildungsplattformen, die einige Länder über Landeslizenzen bezahlen. Frag beim Landesinstitut nach, bevor du privat etwas abonnierst.
Darf ich ChatGPT für den Unterricht nutzen?
Für deine eigene Vorbereitung ohne personenbezogene Daten spricht in der Regel nichts dagegen. Sobald Schüler selbst damit arbeiten sollen oder Daten von Lernenden ins Spiel kommen, gelten die Vorgaben deines Landes und die Freigabe deiner Schulleitung. Kläre das vorher, nicht nachher.
Kann KI Arbeitsblätter erstellen?
Ja, und zwar in brauchbarer Qualität, wenn du Zielgruppe, Niveau, Umfang und Lernziel vorgibst. Die Aufgaben prüfst du anschließend fachlich und rechnest Lösungen nach. Rechne mit zehn bis 20 Minuten Nachbearbeitung pro Blatt.
Wie erkenne ich KI-Texte bei Schülern oder Teilnehmern?
Verlässlich gar nicht, auch Detektor-Software liefert Fehlalarme. Besser prüfst du den Prozess statt des Produkts: Entwürfe einfordern, im Gespräch nachfragen, Aufgaben stellen, die den eigenen Bezug verlangen. Welche Merkmale trotzdem auffallen, zeige ich im Beitrag KI-Texte erkennen.
Was gilt beim Datenschutz in der Schule?
Keine personenbezogenen Daten von Schülern, Eltern oder Kollegen in KI-Tools, die deine Schule nicht freigegeben hat. Die Regeln dafür setzen die Länder, umgesetzt werden sie durch Schulleitung und schulische Datenschutzbeauftragte. Für die eigene Vorbereitung ohne solche Daten brauchst du in der Regel keine Genehmigung.
Mein Rat für den Einstieg
Fang mit einer einzigen Aufgabe an, die dich jede Woche Zeit kostet. Meist sind das Quizfragen oder die Differenzierung eines Arbeitsblatts. Nimm einen der zwölf Prompts, passe Fach und Zielgruppe an, prüfe das Ergebnis mit dem 3-Minuten-Check. Nach drei Wochen weißt du, wo KI dir hilft und wo du schneller selbst bist.
Wer tiefer einsteigen will, findet bei Joscha Falck einen Ratgeber, der Grundlagen und Praxis für Lehrkräfte verbindet: Effektiv unterrichten mit künstlicher Intelligenz* (Persen Verlag). Laut Verlag erklärt der Band zuerst die Grundlagen und liefert dann direkt umsetzbare Ansätze. Genau diese Reihenfolge halte ich für Einsteiger für richtig.
Wie das im Alltag eines IT-Trainers aussieht, liest du als Nächstes in meinem Praxisbericht zur ChatGPT-Unterrichtsvorbereitung.

